Alles nur aus Liebe Denise Zich - Schauspielerin - spielt die Hauptrolle im ZDF-Zweiteiler "Sterne über Madeira"
(Sonntag, 22. und 29. Mai, 20.15 Uhr)
© ZDF / Boris Guderjahn
"Ich wollte schon immer einen Kostümfilm drehen": Denise Zich in "Sterne über Madeira".
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(tsch) Zwischen hoffnungsloser Verzweiflung und hoffnungsloser Liebe ist in diesem Film alles drin für Denise Zich. Die 29-jährige Schauspielerin schwärmt folgerichtig von einem "Traumprojekt" wenn sie über Marco Serafinis Historien-Drama "Sterne über Madeira" spricht. In der Hauptrolle des aufwändigen Zweiteilers spielt die Sächsin eine Frau, die zwischen zwei Welten, arm und reich, und zwei Männern hin- und hergerissen ist. Gegen alle Widerstände kämpft sie für Freiheit und Liebe - in einer Zeit, in der Frauen höchstens von Selbstbestimmung träumen durften. Klar, dass sich im Interview vieles um die Liebe und um Werte im Wandel dreht.
teleschau: Frau Zich, "Sterne über Madeira" spielt im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert. Hätten Sie gerne in dieser Zeit gelebt?
Zich: Ich habe in dieser Zeit gelebt!
teleschau: Meinen Sie das im Ernst?
Zich: Ja. Hundertprozentig! Mir kam alles, was mit dieser Zeit zu tun hatte, sofort so unglaublich vertraut vor. Es gibt ja diese Phänomene - Seelenwanderungen. Ich kann das aber jetzt auch nicht näher erklären. Ich weiß es eben. Ganz bestimmt.
teleschau: Vielleicht war Regisseur Marco Serafini deshalb so beeindruckt. Er sagt, "Denise Zich besteht ohne weiteres gegen Vollblutschauspieler wie Maximilian Schell, Michael Mendl und Rosemarie Fendel". Wie kommt ein Lob aus so berufenem Munde bei Ihnen an?
Denise Zich: Das schmeichelt mir natürlich sehr. Das ist ein Kompliment, das mir viel bedeutet, weil es von einem Regisseur kommt, der mich schon seit langer Zeit beobachtet und besetzt.
teleschau: Sie haben schon mehrfach mit ihm gearbeitet. Man scheint sich zu mögen.
Zich: Es funktioniert einfach traumhaft - oft nur über die Augen. Man muss gar nicht viel reden. Wenn er zum Beispiel einen Take nochmals haben will, dann weiß ich genau, was er jetzt von mir sehen möchte. Bei ihm kann ich mich richtig in meine Arbeit reinsteigern. Das wird sicher nicht unsere letzte Zusammenarbeit gewesen sein.
teleschau: Was bedeutet diese große Rolle in einer so aufwändigen Fernsehproduktion für Ihre Karriere?
Zich: Es ist auf jeden Fall ein wichtiger Meilenstein. Der Film war ein Traumprojekt.
teleschau: Inwiefern?
Zich: Weil ich schon immer einen Kostümfilm drehen wollte, weil ich wunderbare Kollegen hatte, und weil es einfach ein toller Stoff ist. Ich konnte so viele Facetten von mir zeigen. Wann ist man schon in einem einzigen Film Nonne, Bauernmädchen und Adelige! Schauspielerisch war es für mich besonders spannend, glaubhaft darzustellen, dass ich in der Liebe zwischen zwei Männern stehe und hin- und hergerissen bin. Diese Rolle ist unglaublich vielseitig. Und Vielseitigkeit, die unendlichen Möglichkeiten, die man hat - das macht diesen Beruf für mich aus.
teleschau: Sie sind schon als Kind im Ostberliner "Metropol"-Theater zwischen Kleidern und Perücken gerne auf Entdeckungsreise gegangen. Wie war es, nun als Erwachsene in diese alten Kostüme zu schlüpfen?
Zich: Herrlich. Da kamen wirklich Erinnerungen an meine Kindheit hoch. Da war wieder dieser Geruch, der mich schon damals im Theater-Fundus faszinierte. Und endlich passte ich richtig in diese Kleider - krass.
teleschau: Ist so etwas denn bequem?
Zich: Da hatte ich anfangs auch meine Zweifel. Aber ich muss gestehen, dass es wirklich sehr angenehm war - schon weil man viel mehr Körperhalt hat. Man bewegt sich viel weiblicher, irgendwie würdevoller. Allerdings dauert es auch eine Weile, bis man so etwas angezogen hat. Am Ende sind mir Jeans und Turnschuhe wohl lieber.
teleschau: Wären Sie damals lieber das Bauernmädchen oder die reiche Adelige gewesen?
Zich: Schwierig zu beantworten. Fakt ist, dass Geld nicht alles ist im Leben. Wahre Freunde sind mir viel wichtiger als alle materiellen Dinge. Freunde und Liebe kann man sich halt nicht kaufen. Oder: An Reichtum kann man sich nicht rankuscheln (lacht).
teleschau: Sie spielen eine Frau, die mutig um ihre Liebe, Selbstbestimmung und Freiheit kämpft. Frauen hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen ganz anderen Stand. Glauben Sie, dass diese Geschichte trotzdem Aktualität besitzt?
Zich: Ja. Im Prinzip leben wir doch alle nur aus Liebe. Alles im Leben dreht sich um die Liebe, wir leben doch auch nur, um geliebt zu werden. Und wir alle wollen Liebe, oder?
teleschau: Aber heute ist alles viel leichter. Da verliebt man sich eben mal schnell in der Disco ...
Zich: Ach, ein Kampf ist der Weg zur Liebe doch auch in der Diskothek! Gut, der gesellschaftliche Rahmen hat sich geändert. Heute ist nicht mehr alles in starren Bahnen, man wird nicht permanent eingeengt, wenn man einmal in einer Partnerschaft ist. Man hat in diesem Sinne mehr Freiheiten.
teleschau: Sowohl Sie als auch Ihr Ehemann, der Schauspieler Andreas Elsholz, sind beruflich viel unterwegs. Eifersucht darf da keine Rolle spielen, oder?
Zich: Tut es auch nicht. Ich war vielleicht mal eifersüchtig, aber ich habe gelernt, dass das nichts bringt. Das muss man ausschalten können, sonst macht es über kurz oder lang jede Beziehung kaputt. Dass man, wie wir, manchmal für ein paar Tage oder sogar Wochen voneinander getrennt ist, macht eine Beziehung doch nur noch interessanter. Natürlich sind Treue und Ehrlichkeit sehr wichtig. Aber das A und O einer guten Beziehung ist, dass man über alles spricht. Wer nicht mehr miteinander redet, kann schon einpacken!
teleschau: Das passt gut. In diesen Tagen wird ja gerade wieder mehr über Werte diskutiert.
Zich: Sie meinen wegen der Papstwahl?
teleschau: Was halten Sie von Benedikt XVI.?
Zich: Ich finde ihn toll. Das ist doch so ein intelligenter und großartiger Mann. Auch sein Bruder, Georg Ratzinger, der tritt so bodenständig und herrlich geerdet auf, das wirkt alles so bescheiden und ehrlich. Einmalig. Man muss abwarten, ihm einfach eine Chance geben. Vielleicht ändert er ja einiges. Wer weiß!
teleschau: Fehlt es Ihnen an Bodenständigkeit und Ehrlichkeit in der heutigen Gesellschaft?
Zich: Ja. Davon haben wir heute zu wenig. Von den Alten kann man doch so viel lernen, die haben die Erfahrung - ein großer Kuchen, von dem wir Jüngeren uns doch alle unser Stückchen abschneiden sollten. Für mich gibt es nichts Spannenderes, als älteren Menschen zuzuhören. Auch auf kollegialer Ebene: Gerade habe ich mit Renate Krössner, die in der DDR ja schon ein großer Star war, gedreht. Natürlich habe ich dabei eine Menge gelernt.
teleschau: Das passt kaum zu einer Branche, die dem Jugendwahn unterworfen ist, wie keine andere.
Zich: Stimmt schon irgendwie. Aber zum Glück ist das bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht ganz so ausgeprägt. Da zählt auch Erfahrung noch was. Daran will ich jedenfalls glauben.
-- Frank Rauscher (© teleschau - der mediendienst)
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