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Eingetaucht in tiefes Leid
Opernstar Anna Netrebko singt im Festspielhaus Baden-Baden Werke von Giovanni Battista Pergolosi
Opernstar Anna Netrebko überzeugt einmal mehr mit einer großen Stimme und musikalischem Gespür. Das Galakonzert im Festspielhaus Baden-Baden, eine Hommage an den Barockkomponisten Giovanni Battista Pergolesi, kann trotzdem nicht gänzlich überzeugen. Vor allem vor der Pause fehlt es an Spannungsbögen und großen Momenten.
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29.07.2010 - Baden-Baden. Das berühmte »Stabat Mater« kurz vor seinem frühen Tod im Alter von 26 Jahren im Frühjahr 1736 fertiggestellt, hebt sich sicherlich heraus aus dem Werk von Giovanni Battista Pergolesi Es ist eine innige, mit sehr viel Gespür angelegte Auseinandersetzung mit den seelischen Qualen einer Mutter, die den eigenen Sohn am Kreuze leiden sieht.
Pergolesi führt zwei Frauenstimmen in einer ganzen Reihe klagender Duette zusammen, wartet am Ende mit einem doppelten Trauermarsch auf, der eine von Zuversicht geprägte Lobpreisung Gottes umrahmt. Es ist eine Sequenz voller Tiefgang, die unvermittelt in ein kraftvolles »Amen« umschlägt.
Intensiver Gesang
Anna Netrebko und ihre Partnerin, die italienische Mezzosopranistin Marianna Pizzolato, spielen hier die Kraft ihrer Stimmen, die feinen Nuancen eines Innigen Ausdrucks aus. Es ist ein Genuss zuzuhören, wenn sie in perfekter Harmonie das Leid Marias beklagen, wenn sie in ihren Solosequenzen tief in die Qualen und die Pein der Seele eintauchen. Vor allem Anna Netrebko geht hier an die Grenzen des Erträglichen.
Die Luft vibriert förmlich im sehr gut besuchten Festspielhaus, wenn sich ihr Gesang voller Inbrunst verdichtet. Das Orchestra dell’Accademia Nationale di Santa Cecilia Roma, eines der besten Barockorchester der Gegenwart, trägt unter engagierten Leitung von Antonio Pappano entscheidend Anteil an der Intensität einer Darbietung, die sich noch der Pause ganz auf das »Stabat Mater« konzentriert. Immer wieder nimmt Pappano die 25 Instrumentalisten zurück, setzt auf eine fragile Begleitung, die nur an ausgesuchten Punkten kraftvolle Impulse setzt
Einen instrumentalen Akzent setzt das Orchester zum Auftakt des Konzertes mit der »Sinfonia« zum heiligen Drama »Li prodigi della divina grazia nella conversione e morte di S. Guglielmo Duca d’Aquitane«. Es ist ein schwungvoller, im Mittelsatz nur kurz Atem schöpfender Klangreigen, der in der Interpretation des römischen Barockorchesters auf die in der Partitur vorgegebenen Bläser verzichtet.
Danach stellen sich die beiden Solistinnen mit je einer Solokantate Pergolesis vor. Marianna Pizzolato serviert die Kantate »Questo é il piano e questo é il rio«, die von zärtlichen Liebesgeflüster auf einer Wiese am Fluss erzählt, aber auch von den dunklen Wolken der Eifersucht, die sich in den beiden letzten Arien des Werkes in dramatischen Versen, aber auch in der Gestik Pizzolatos manifestiert.
Netrebko steigt mit »Nel chiuso centro« hinab in die Unterwelt, um ähnlich wie Orpheus die tote Geliebte zurückzufordern. Das Wehklagen zu Harfe kann die Fürsten der Finsternis aber nicht erweichen, der Held bleibt an der Seite seiner Angebeteten an dem finsteren Ort. Was dem Helden des Werkes nicht gelingt, schafft Netrebko fast mühelos.
Glanz fehlte
Die Intensität ihres Gesangs, die Kraft ihres Ausdrucks erreicht die Ohren und Herzen der Zuhörer. Trotzdem bleibt am Ende eine Gewisse Distanz zwischen Bühne und Rängen bestehen.
Das ganz auf die Musik Pergolesis zugeschnittene Programm schmort letztendlich zu sehr im Kontext barocker Harmonien, um wirklich zu beeindrucken. Am Ende applaudiert das Publikum artig, erklatscht sich eine Zugabe. Vom Glanz einer großen Konzertgala ist der Abend im Festspielhaus trotzdem weit entfernt.
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