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kultur
Hochkarätige »Elektra« am Rhein
Richard Strauss’ Oper: Herausragende Janice Baird in einer tiefgreifenden, markanten Inszenierung

autor: gunter thiel

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22.01.2008 - Derzeit präsentiert die »Operá national du Rhin« als Coproduktion mit dem »Théatre Royal de La Monnaie de Bruxelles« Richard Strauss’ »Elektra«. Diese expressionistische Symphonieoper mit ihrem tragischen Hintergrund, basierend auf dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal, wurde am 25 Januar 1909 in Dresden uraufgefürt. Der Komponist löst sich hier stilistisch von Wagner. Er fordert 111 Instrumentalisten, in den Glanzarien gewaltige Spannkraft und enormes Volumen, und bezieht auch atonale Klänge mit ein. Um Musik und Bühnenbild zu verstehen, muss man den historischen Hintergrund einbeziehen:
Nach seiner Rückkehr aus dem trojanischen Krieg wird Agamemnons von seiner Frau Klytämnestra und deren Geliebten Aegisth ermordet. Ihre Tochter Elektra bringt den kleinen Bruder Orest außer Landes in Sicherheit, wo er zum Rächer seines Vaters erzogen wird. Auf dem Hof in Mykene hält Elektra als einzige die Erinnerung an den Mord an ihrem Vater aufrecht und harrt des Tages der Vergeltung.
Eindrucksvolle Elektra
So wird man in dem Einakter in der Rheinoper mit geometrisch dezent-perspektivischer Räumlichkeit bei schwarz und schwarz-rotem Hintergrund konfrontiert. Mobiliar: eine weiße Badewanne, ein Stuhl und eine Doppelmatraze. Durch abgestufte Überlagerungen und erhellte Türöffnungen entstehen Aktionsflächen, die aufgrund ihrer Schlichtheit hervorragenden Hintergrund bilden für die vokal-szenerischen Aktionen (Regie: Stéphane Braunschweig/Georges Gagne res). Und diesbezüglich wird herausragendes geboten. Mit der Sopranistin Janice Baird hat man eine Elektra gewählt, die nicht nur zur Weltspitze zählt, sondern ihre Klasse in der 100-minütigem Tragödie eindrucksvoll unter Beweis stellt

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Sie verfügt über Stimmengewalt, die ihrersgleichen sucht, vermag extrem sanft zu zeichnen und harmoniert mit dem großen ausgezeichnet musizierenden Orchester der Straßburger Philharmoniker unter Daniel Klajner prächtig. Die geforderten extremen Instrumentalpassagen durchdringt sie mühelos. Ihre stets erhabene Gestaltungskraft tat das übrige, um das Publikum restlos zu begeistern.
Mit Nancy Weissbach ist die Rolle der Chrysothemis offensichtlich ebenfalls optimal besetzt. Ihre makellose Stimme besitzt Strahlkraft, ist dynamisch vital und wohlklingend. Als Schwester von Elektra trägt sie als einzige ein helles, freundlich anmutendes Kleid, was wohl rollenspezifisch andeuten soll, dass sie nicht so »tragödial-infiziert« ist wie die anderen Akteure.
Enorme Kraft
Jadwiga Rappé gibt eine sehr gute Klytämnestra ab. Ihr Mezzosopran besitzt Format, und überlegen gestaltet sie die intrigante Exfrau des ermordeten Agamenon. Wenn auch nicht so oft gefordert wie die Sängerinnen, ist es ein Genuss, Jason Howard als Orest zu erleben, dessen Bariton ungemein tragfähig wirkt. Seine exzellente Stimmkultur ist das Produkt enormer Kraftentfaltung, basierend auf niveauvoller, müheloser Stimmentfaltung, die in dieser Qualität nur wenigen Vokalsolisten gegeben ist. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke sorgt mit sonorer Tenorstimme als Aegisth für zusätzlichen Reiz. Auch die übrigen Darsteller sind musikalisch und darstellerisch hervorragend ins Gesamtgeschehen integriert.
Die Straßburger Philharmoniker, sehr erfahren auch mit modernem Tonmaterial, liefern einen prächtigen symphonischen Background, der im Zusammenspiel mit den optimal gewählten Vokalisten eingebettet in prädestiniertes Bühnenbild mit adäquater Beleuchtung zu einer hervorragenden Gesamtinterpretation führt.
Begeisterung beim Publikum. Zurecht. Diese Inszenierung muss man als Opernfan miterlebt haben.
Weitere Aufführungen: morgen, Mittwoch, sowie Samstag, 26. Januar, jeweils um 20 Uhr.

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