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Chemie im Trinkwasser
Beliebtes Pflanzenschutzmittel verunreinigt Oberkircher Tiefbrunnen

Das Trinkwasser ist weniger sauber als bisher angenommen. Bei der erstmaligen Untersuchung nach dem bedenklichen Stoff DMS wurden vielerorts erhöhte Werte gemessen – auch in den Brunnen des Zweckverb
autor: silke keil

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© Archivfoto: Patric König

Bei der Einweihung des Wasserwerks »Waldbühnd« 2005 in Renchen konnte Wolfgang Klattig, Geschäftsführer der Stadtwerke, eine hochwertige Qualität des Trinkwassers bezeugen. Auf N,N-Dimethylsulfamid wurde das Wasser damals noch nicht untersucht.

16.05.2007 - Oberkirch/Renchen. Nur mit Ausnahmegenehmigung darf das Trinkwasser des Zweckverbandes Vorderes Renchtal weiterhin durch die Wasserhähne fließen Messungen, die ortenauweit durchgeführt wurden, brachten zutage, dass das Wasser beider Tiefbrunnen des Wasserwerks Waldbühnd eine erhöhte Konzentration von N,N-Dimethylsulfamid (DMS) enthält. Sie lag bei 1,33 bis 2,31 Mikrogramm pro Liter. Akzeptiert ist jedoch nur eine Konzentration von maximal 0,1 Mikrogramm pro Liter, da es sich bei DMS um das Abbauprodukt eines Pflanzenschutzmittels handelt.
Die Ausnahmegenehmigung ist auf drei Jahre begrenzt. Da das Ausgangsprodukt des DMS, das Pilzbekämpfungsmittel Tolylfluanid, bis Ende dieses Jahres im Freiland nicht mehr eingesetzt werden darf, besteht Hoffnung, dass die Werte sinken. Mit den üblichen Reinigungsmethoden kann das DMS nicht eliminiert werden. Gesundheitsbedenklich wird es bei der Ozonierung des Trinkwassers – einer Entkeimung mit Sauerstoff, die in unserem Raum nicht angewendet wird. Ansonsten ist über die Wirkung von DMS im menschlichen Körper noch wenig bekannt.
Durchmischt
Das Trinkwasser aus dem Renchender Wasserwerk Waldbühnd fließt aus den Hähnen in ganz Oberkirch – ausgenommen Ödsbach, das sein Wasser von einer Quelle an der Moos bezieht. Außerdem werden die Renchener Kniebisstraße und die Ortsteile Erlach und Ulm durch den Zweckverband beliefert. Auch Lautenbach bezieht Trinkwasser aus dem Renchener Wald. Es wird in Hochbehältern mit eigenem Quellwasser durchmischt.
Die Untersuchung des Renchener Brunnens »In der Weide« steht bevor, während die Behörden im übrigen Renchtal noch nicht angeklopft haben

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Zukünftigen DMS-Messungen blickt Lautenbachs Bürgermeister Karl Bühler jedoch entspannt entgegen: »Im Einzugsbereich unserer Quellen gibt es keinen Fungizideinsatz, daher gehen wir davon aus, dass es keine Probleme geben wird.«
Tolylfluanid wird im Raum Oberkirch seit über 30 Jahren im Obstbau verwendet. Die Landwirte schätzen das Pilzbekämpfungsmittel wegen seines breiten Wirkunsspektrums. Bis zum Verbot kamen die Mittel »Euparen M WG« bei Kernobst, Strauch- und Erdbeeren sowie »Folicur EM« bei Strauchbeeren zum Einsatz. »Bei Strauchbeeren fehlt uns Tolylfluanid jetzt am meisten«, erklärt Markus Litterst, Anbauberater am Obstgroßmarkt Mittelbaden. Die Alternativen seien nicht immer befriedigend.
Kein geeigneter Ersatz
Franz Josef Müller, Bezirksvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, hat die Erfahrung gemacht, dass jetzt sogar mehrere Mittel gleichzeitig eingesetzt werden müssen, um die Wirkung von Tolylfluanid zu ersetzen. »Das ist teurer und umweltschädlicher«, ist der Zusenhofener Landwirt überzeugt.
Im Oberkircher Weinbau wird seit rund zehn Jahren nicht mehr auf Tolylfluanid zurückgegriffen. Frank Männle, Qualitätsmanager der Winzergenossenschaft Oberkirch, erklärt, dass es modernere Mittel gebe, die kostengünstiger und nützlingsschonender seien. Männle: »Ich kenne keinen, der Tolylfuanid im Weinbau noch einsetzt.«

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