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»Rendite nicht im Vordergrund«
BUND-Ortsgruppe Renchtal beteiligt sich über Genossenschaft am Energieunternehmen Thüga

autor: christian kornmeier

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04.09.2009 - Die Genossenschaft »Energie aus Bürgerhand« (Eib), die aus unabhängigen Bürgern besteht, will 100 Millionen Euro zusammenbringen, um sich damit drei Prozent des Gesamtvolumens des Stromkonzerns Thüga AG anzueignen Die Ortsgruppe Renchtal des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unterstützt die Initiative. Meinrad Heinrich (Oberkirch) und Manfred Fischer (Oppenau) erklären im Gespräch, wie es zur Aktion kam.
Wie kommt es zum Verkauf von einem so großen Stromkonzern?
Meinrad Heinrich: Eon bekam aus kartellrechtlichen Gründen die Auflage, Teile des Konzerns zu verkaufen. Durch den Verkauf der Tochtergesellschaft Thüga AG wird diese Bedingung erfüllt.
Von wem stammt die Idee zu der Initiative?
Manfred Fischer: Während vor 15 Jahren noch der Verkauf von kommunalen Stadtwerken in Mode war, haben die Gemeinden nun gemerkt, dass sie keinen Einfluss auf die Energiepolitik und die Preisgestaltung mehr haben. Heute wollen sie ihre Stadtwerke zurückkaufen. Diese Trendwende – Regionalisierung – ist ein Teil der Revolution.
Heinrich: Unter dem Vorsitz des legendären Stromrebellen Michael Sladek vom ökologischen Elektrizitätswerk Schönau (EWS) hat sich eine Bürgergenossenschaft in Freiburg Mitte Juli gegründet, welche sich mit dem Geld einzelner Bürger am Kauf der Thüga beteiligen will. Sie will eine ökologische Ausrichtung der zukünftigen Thüga erreichen


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Wie kam der BUND Renchtal ins Spiel?
Fischer: Unsere BUND-Gruppe Renchtal setzt sich seit vielen Jahren nicht nur für den Schutz von Fauna und Flora ein, sondern engagiert sich auch auf dem Energiesektor. So propagieren die Mitglieder von Anfang an den Einsatz regenerativer Energien und haben die Schönauer Stromrebellen unterstützt. Über diesen Kanal haben sie von der bevorstehenden Gründung der EiB erfahren und sich auch daran beteiligt.
Warum sollen Bürger beteiligt werden?
Heinrich: Die Bürgergenossenschaft EiB möchte ein Kapital von etwa 100 Millionen Euro aufbringen, um sich damit an der Thüga zu beteiligen. Da jedes Mitglied der Genossenschaft in der Vollversammlung nur eine Stimme hat – unabhängig von der Höhe seiner finanziellen Beteiligung – werden keine Großinvestoren einsteigen.
Fischer: Für die engagierten Bürger steht nicht die hohe Rendite im Vordergrund, sondern die satzungsgemäßen Ziele wie Dezentralisierung der Energieerzeugung, Ausbau der erneuerbaren Energien, Ausstieg aus der Atomindustrie, Belohnung von Energieeinsparung und Energieeffizienz.
Bei drei Prozent Beteiligung: Wie groß fällt das Mitspracherecht der EiB aus? Kann da überhaupt etwas bewegt werden?
Heinrich: Es fanden bereits Gespräche mit den Gruppierungen der kaufbereiten Stadtwerke statt, insbesondere mit der Badenova, welche federführend bei der Kaufgruppe der kommunalen Versorger ist. Bei einem Kaufpreis von 2,7 Milliarden Euro ist die Beteiligung der EiB kein Pappenstil. Gerade in Zeiten knapper Kassen werden kleinere Kommunen über jede Unterstützung froh sein. Außerdem darf nicht übersehen werden, dass die Bürger der Eib ein erhebliches Kundenpotenzial darstellen. Es ist eine einmalige Chance, auf die Energiewirtschaft an der Basis mit einzuwirken.
Wer kann mitmachen?
Fischer: Alle Bürger, Vereine oder Firmen, die sich mit mindestens 500 Euro beteiligen wollen, können mitmachen. Seit der Gründung der EiB waren dies bis heute über 2200 Bürger mit einem Gesamtbetrag von rund 20 Millionen Euro.
Wie wird eine Mitbeteiligung abgewickelt?
Heinrich: Bis zum Abschluss der Kaufverhandlungen werden die Beteiligungen auf einem Treuhandkonto gesammelt und verzinst. Erst beim Kauf selbst fließen die Gelder. Sollte der Kauf scheitern, werden die Beträge einschließlich Zinsen zurückgezahlt.
Wie werden die Gewinne unter den Beteiligten verteilt?
Fischer: Über die ermittelten Gewinne entscheidet die Genossenschaft in einer Generalversammlung, zu der jeder Genosse eingeladen wird. Dort wird die Gewinnhöhe pro Anteil festgelegt. Je nach Anzahl der gehaltenen Anteile wird dieser ausgeschüttet. Ziel ist jedoch, einen Teil der Gewinne vorab für die Unterstützung regenerativer Energien und dezentraler Energieanlagen einzusetzen.
Heinrich: Nach der Genossenschaftssatzung werden nur die Gewinne verteilt, eine Nachschusspflicht bei Verlusten besteht nicht. Im Fall einer Insolvenz haftet der Genosse nur in Höhe seiner Beteiligung. Eine Insolvenz dürfte aber sehr unwahrscheinlich sein, da die Thüga aus kommunalen Stadtwerken besteht.

STICHWORT
Weitere Informationen
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.energie-in-buergerhand.de . Ebenso kann man sich bei Fragen, die dort nicht unter der Rubrik FAQ aufgeführt sind, direkt an die Genossenschaft wenden (info@ energie-in-
buergerhand.de, π 07 61 / 20 88 08 30). Auf der Internetseite stehen die Formulare für eine Beteiligung bereit. Dort sind alle Termine für Vorträge und Arbeitskreissitzungen ersichtlich.
Auch die BUND-Gruppe Renchtal steht für Auskünfte zur Verfügung (π 0 78 04 / 717 oder 01 79 / 6 97 60 45). Vorsitzender Meinrad Heinrich verweist zudem auf die Mitgliederversammlung Mitte November, auf der der BUND über die EiB informiert und einen Film über die Schönauer Stromrebellen zeigt.

HINTERGRUND
Thüga-Kauf
Der Gesamtwert des in Deutschland fünftgrößten Stromkonzerns Thüga AG wird mit 2,7 Milliarden Euro veranschlagt. Weitere Käufer werden die drei großen Stadtwerke aus Frankfurt, Hannover und Nürnberg sowie ein Zusammenschluss von 50 kommunalen Versorgern unter der Leitung der Badenova sein.

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