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Bienensterben traf Imker hart
Massenvernichtung 2008 trieb Roland Meier an den Rand der Existenz / Argwohn gegen Insektizide
Die Bienenvölker haben sich nach dem großen Sterben im vergangenen Jahr zum größten Teil wieder erholt. Für einige Imker jedoch nicht schnell genug. Roland Meier, neben Christoph Koch der einzige Berufsimker im Renchtal, steht vor der Insolvenz.
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autor: silke keil
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© Silke Keil
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Christoph Koch ist zufrieden mit der Vitalität seiner Bienenvölker im Rheintal. Von den Maisfeldern rückt er seine Stände jedoch aus Angst vor neuen Vergiftungen ab.
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19.08.2009 - Renchtal. Seit dem Massensterben der Bienen im Frühjahr 2008 kommt Roland Meier nicht mehr zur Ruhe. Der Berufsimker aus Bad Peterstal-Griesbach scheut keine Entfernungen, um seine Bienenvölker in warme Gefilde zu transportieren Im Januar tankten seine Tiere mediterrane Sonne in Südfrankreich, später Nektar in Norddeutschland. Aber trotz der Mühen kämpft der Imker ums Überleben. »Die alten Völker waren viel stärker geschädigt als gedacht«, erklärt er.
Wie sein Kollege Christoph Koch als Oppenau ließ er die Mehrzahl seiner Völker gewöhnlich in der Rheinebene überwintern. Eine bevorzugte Region, die den Bienen im vergangenen Frühjahr jedoch zum Verhängnis wurde. Tausende Tiere starben an der falschen Anwendung des Clothianidin (siehe Kasten). Von 300 Völkern Roland Meiers waren 260 erkrankt. Retten konnte der Imker noch 95 Völker, von denen 15 jedoch im Winter starben.
Im Rahmen der Ausgleichszahlung erhielt Roland Meier 79 000 Euro. Den Schaden beziffert er jedoch mit rund 200 000 Euro. Dazukomme der Gewinnverlust, der sich seit Weihnachten eingestellt habe. »Beim Weihnachtsgeschäft konnte ich Kunden und Märkte nicht mehr mit Honig beliefern«, so Meier. Und auch in diesem Jahr erhalte er nur zwei Drittel des üblichen Ertrags. Der Peterstaler Imker hat zwar mit Hilfe von Ablegern wieder 500 Völker gezogen, aber »die Jungvölker schaffen keine hundertprozentige Produktion«.
Keine Reserven
Durch mehrere Unglücke in den Vorjahren konnte Roland Meier keine Reserven anlegen. Jetzt steht er finanziell am Abgrund. »Das Regierungspräsidium hat mir geraten, Insolvenz anzumelden«, erzählt der Imker. Resigniert hat er jedoch noch nicht
»Ich habe in der letzten Zeit so viel Hilfsbereitschaft durch Freunde erfahren, dass ich sie jetzt nicht enttäuschen möchte«, gibt er sich kämpferisch. Mut macht ihm der Zustand der neuen Völker. »Sie sind wieder gesund, auch Brutschäden sind keine mehr zu sehen.«
Eine Beobachtung, die auch Christoph Koch gemacht hat. »Ende Mai waren die Völker in einem guten Zustand«, informiert der Landesdeligierte des deutschen Berufs- und Erwerbimkerverbands. Über ein Drittel seiner 300 Völker fielen im vergangenen Jahr dem Clothianidin zum Opfer. Doch dank eines optimalen Frühjahrs habe er jetzt wieder 250 gesunde Völker.
Soforthilfe
Koch erhielt 70 000 Euro Soforthilfe. Obwohl die Summe gerade einmal die Hälfte des Schadens abgedeckt habe, freut sich Koch über die »unbürokratische Hilfe«. »Für die Masse von Imkern, die nicht von den Bienen leben, war sie in Ordnung«, so seine Meinung. Für Berufsimker war das Massensterben jedoch eine ökologische wie auch ökonomische Katastrophe.
Obwohl der Oppenauer Imker die finanziellen Einbußen verkraftet, findet er keine Ruhe. Seit Landwirtschaftsminister Peter Hauk einigen Maisbauern grünes Licht gegeben hat, im Kampf gegen den Maiswurzelbohrer Thiacloprit einzusetzen, zieht er erneut mit seinen Bienen um.
Koch hat Angst um seine Bienen. »Untersuchungen belegen zwar, dass der Stoff harmloser ist als Clothianidin«, sagt er, »aber vieles wird in dieser Thematik schöngeredet.« Informationen von unabhägigen Bienen-Experten seien kaum zu bekommen. Christoph Koch: »Unter den Imkern herrscht große Unsicherheit.«
STICHWORT
Strengere Richtlinien
Das Insektizid »Poncho Pro« mit dem Wirkstoff Clothianidin löste im vergangenen Frühjahr ein Massensterben der Bienen aus. In der Oberrheinebene wurden 11 500 Bienenvölker geschädigt, der Oberkircher Imkerverein zählte alleine 350 betroffene Völker. Der Konzern Bayer, der »Poncho Pro« als Mittel gegen den Maiswurzelbohrer vertrieben hat, zahlte eine Entschädigung über 2,1 Millionen Euro an die Imker. Das Insektizid wurde laut Expertenmeinung bei der Beize mit dem Maissaatgut nicht richtig verleimt. Bei der maschinellen Ausbringung löste sich das Insektizid und gelangte auf Blüten, die von Bienen angeflogen wurden. Neben ihnen zählten auch zahlreiche andere Insekten, wie Wildbienen, Hummeln, Wespen oder Schmetterlinge, zu den Opfern fehlerhafter Schädlingsbekämpfung.
Das Landwirtschaftsministerium hat die ökologische Katastrophe im vergangenen Jahr zum Anlass genommen, bei der Ausbringung des Saatguts strengere Richtlinien einzuführen. Gleichzeitig darf Maissaatgut, das mit Clothianidin gebeizt wurde, nicht mehr nach Deutschland eingeführt oder in Verkehr gebracht werden. Als Schädlingsbekämpfungsmittel beim Raps ist das Nervengift weiterhin in Gebrauch. ske
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