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DMS ist und bleibt ein Problem
Oberkircher Trinkwasser ist weiterhin mit Fungizid-Abbauprodukt belastet / Stoff ist »harmlos«
Oberkircher, Ulmer und Erlacher müssen vorerst mit Dimethylsulfamid im Trinkwasser leben. So das Fazit einer Informationsveranstaltung im Rathaus. Das Abbauprodukt des Pflanzenschutzmittels Tolylfluanid liegt in fast allen Brunnen der Ortenau über dem zugelassenen Grenzwert. Es wird jedoch – wenn nicht lebenslang konsumiert – als »harmlos« eingestuft.
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autor: silke keil
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© Silke Keil
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Gerunzelte Stirnen rief das Thema »N,N-Dimethylsulfamid« bei einer internen Infoveranstaltung im Rathaus Oberkirch hervor (von links): Wassermeister Rudolf Kohler, Diplom-Geologe Joachim Kiefer, Wolfgang Klattig, Geschäftsführer des Zweckverbands »Wa
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08.08.2007 - Oberkirch. Gute und schlechte Nachrichten überbrachte Joachim Kiefer, Diplom-Geologe des Technologiezentrums Karlsruhe, den Vertretern des Zweckverbands »Vorderes Renchtal« bei einer internen Informationsveranstaltung am Montagabend Die schlechte: Die Konzentrationen von N,N-Dimethylsulfamid in den Tiefbrunnen des Wasserwerks Waldbühnd in Renchen lagen auch bei der zweiten Untersuchung am 20. Juni über dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter – und zwar bei 1,5 bis 2,4 Mikrogramm. Im Frühjahr wurden 1,33 bis 2,31 Mikrogramm pro Liter gemessen. Kiefer: »Alle Werte haben sich bestätigt.«
Und nicht nur das Wasserwerk Waldbühnd, aus dem Oberkirch, Erlach, Ulm und ein kleiner Teil Renchens ihr Trinkwasser beziehen, hat Probleme mit dem Abbauprodukt des Fungizids Tolylfluanid. Es belastet das gesamte Grundwasser im Einzugsgebiet der Brunnen. Besser bestellt ist es alleine mit der Moosquelle, die Ödsbach versorgt. Sie hat eine DMS-Konzentration von nur 0,05 Mikrogramm pro Liter. Dass sie überhaupt DMS enthält, mag laut Kiefer an der Tatsache liegen, dass früher Tolylfluanid auch im Waldbau eingesetzt wurde. Es kann auch durch Winde verfrachtet werden.
Schlecht abbaubar
DMS ist extrem persistent. Es verschwindet nur durch Verdünnung aus dem kontaminierten Erdreich. Da Tolylfluanid bereits seit über 30 Jahren im Handel ist, glaubt der Geologe: »Es wird dauern, bis man das Problem gelöst hat.« Wie lange, das kann auch das Technologiezentrum Karlsruhe nicht sagen. Dafür wisse man noch zu wenig über den Stoff
Kiefer verspricht jedoch: »Es werden intensive Untersuchungen darüber durchgeführt, wie man DMS entfernen kann.«
Die Produkte mit dem Wirkstoff Tolylfluanid, wie Euparen, sind vorerst nicht mehr zugelassen. In Wasserschutzgebieten nie mehr. Für alle anderen Freilandräume ruht die Zulassung bis 31. Dezember 2007. Bis dahin muss die Firma Bayer die toxikologische Wirkung ihres Mittels nachweisen – eine reguläre Handlung im Zuge des Zulassungsverfahrens. Parallel testet auch das Umweltbundesamt die Wirkung des DMS auf die Gesundheit von Mensch und Tier.
Eine empfehlenswerte Technik zur Aufbereitung des Trinkwassers gebe es derzeit noch nicht, so Joachim Kiefer. Auch keine Lösung für den Privatgebrauch. Auf keinen Fall dürfe das Wasser ozoniert werden, sprich mit Zugabe von Ozon entkeimt werden. Denn dann entstünde das krebserregende Nitrosodimethylamin (NDMA). Ein Verfahren, dass kein Versorger im Ortenaukreis mehr anwendet.
Die gute Nachricht: Wird das Wasser nicht ozoniert, so gilt DMS als »harmlos«. »Es wird nur als gefährlich eingestuft, da aus dem Stoff NDMA entstehen kann«, erklärt Kiefer. Daher wurde für DMS der höchstmögliche Grenzwert für eine Ausnahmegenehmigung angesetzt – 10 Mikrogramm pro Liter. Selbst bei jahrelangem Genuss schätzt das Umweltbundesamt DMS in dieser Konzentration im Trinkwasser als unbedenklich. Bei lebenslangem Genuss gilt der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter.
Eine weitere gute Nachricht: Mit Ausnahme des DMS sei das Oberkircher Trinkwasser sehr sauber. Andere Pflanzenschutzmittel und deren Metabolite lägen unter der Bestimmungsgrenze, auch die Nitratbelastung sei mit 5,1 bis 25 Milligramm pro Liter für eine landwirtschaftlich genutzte Region wie Oberkirch gering, erklärte der Geologe.
»Wasser ist uns heilig«
Der Zweckverband Vorderes Renchtal musste wie viele andere Versorger in der Ortenau wegen des hohen DMS-Gehalts für die Ausgabe des Trinkwassers eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Sie gilt für drei Jahre. Ob auch das Trinkwasser im hinteren Renchtal mit DMS belastet ist, ist noch nicht bekannt. In Kürze werden die Werte aus Lautenbach vorliegen. Wolfgang Klattig, Geschäftsführer des Zweckverbands, betont: »Das Wasser ist uns heilig, wir sind auch weiterhin bemüht, ein Wasser zuverkaufen, das rein und natürlich ist.«
Dimethylsulfamid
Dimethylsulfamid (DMS) ist ein unnatürlicher und bis zum Herbst 2006 unbekannter Stoff, der beim Abbau des Pilzbekämpfungsmittels Tolylfluanid entsteht. Das Breitband-Fungizid wird seit über 30 Jahren in der Landwirtschaft, insbesondere in Erdbeerplantagen, im Obst- und Weinbau eingesetzt. Aus toxikologischer Sicht stuft das Bundesumweltamt DMS als harmlos ein. Da es jedoch bei der Trinkwasseraufbereitung durch Ozonierung das krebserregende Nitrosodimethylamin (NDMA) ausbildet, gilt auch bei DMS der allgemeine Grenzwert von Pflanzenschutzmittel-Abbauprodukten von 0,1 Mikrogramm pro Liter. In fast allen Brunnen der Ortenau wird der Grenzwert überschritten. Das Trinkwasser des Zweckverbands Vorderes Renchtal hatte am 20. Juni 2007 eine DMS-Konzentration von 1,45 Mikrogramm pro Liter. ske
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