13.06.2009 - Kehl (red/gal). Wie neue Unternehmen die Luftbelastung in Straßburg und Kehl verändern, das will ein neues Projekt der Umweltorganisation SPPPI untersuchen Das Problem ist beiderseits der Grenze wohlbekannt: Auch wenn jeder Betrieb für sich genommen bei den Emissionen unter den vorgeschriebenen Grenzwerten bleibt, steigt die Menge der an die Luft abgegeben Schadstoffe und verschlechtert die Lebensqualität im Ballungsraum. Über die Möglichkeiten, eine solche Gesamtschau gemeinsam zu realisieren, sprachen die Mitglieder der grenzüberschreitenden Umwelt-Arbeitsgruppe Straßburg-Kehl.
Genehmigungsverfahren
Industrieunternehmen, die sich in der Region Kehl und Straßburg neu ansiedeln oder ihre bestehende Anlagen erweitern wollen, müssen sich diversen Genehmigungsverfahren unterziehen und nachweisen, dass ihre Emissionen unterhalb der von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerten liegen. Trotz enger grenzüberschreitender Kooperation im Umweltbereich gebe es jedoch keine Bestandsaufnahme der Gesamtbelastung, die durch alle Schadstoffemittenten entstehe, begründete Lothaire Zilliox von der Umweltorganisation SPPPI das neue Projekt, teilt die Kehler Stadtverwaltung mit.
Dass der Bedarf an einer solchen Untersuchung sehr groß ist, war auch unter den Vorsitzenden der Umwelt-Arbeitsgruppe – Oberbürgermeister Günther Petry für die Stadt Kehl, die Beigeordnete Françoise Buffet für die Stadt Straßburg sowie der Vizepräsidentin der Straßburger Stadtgemeinschaft Andrée Buchmann – unumstritten: In punkto Luftverschmutzung »stehen die Lampen auf rot«, betonte Andrée Buchmann
Das Thema soll bereits in der nächsten Sitzung der Umwelt-AG aufgrund eines bis dahin von der SPPPI ausgearbeiteten Dossiers vertieft und anschließend dem Eurodistrikt Straßburg-Ortenau vorgelegt werden. OB Petry regte an, prüfen zu lassen, ob für das Projekt nicht sogar Interreg-Gelder beantragt werden könnten. Die Basisdaten über die bestehende Schadstoffbelastung sollen von der ASPA-Gesellschaft zur Überwachung der Luftbelastung im Elsass und der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) berechnet werden.
Diese Bilanz könne dann als Grundlage dienen, um die Zusatzbelastung durch Neuansiedelungen und Erweiterungen von Unternehmen zu ermitteln, erklärte Joseph Kleinpeter von der ASPA. Der Kehler Oberbürgermeister zeigte sich überzeugt davon, dass die Region sich mit einer Studie dieser Art »ein politisches Instrument« in der Diskussion um Schadstoffemittenten schaffe.
Auf Interesse der Straßburger Mitglieder der Umwelt-AG stieß laut der Pressemitteilung das Projekt des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) mit dem Titel »Ortenauer verbessern ihre CO2-Bilanz«. Sabine Wörner, Umweltbeauftragte der Stadt Kehl, berichtete ihren französischen Kollegen von der Klimaschutzaktion, bei der sich unter anderem sieben Familien aus Kehl ein Jahr lang von Beratern des BUND begleiten lassen und versuchen, Kohlendioxid einzusparen. Das Projekt läuft noch bis März 2010 und wird von der Stadt Kehl finanziell mit 7500 Euro sowie mit der Bereitstellung von Räumen für Veranstaltungen unterstützt.
14 Prozent bis 2020
Über das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz ließ sich die grenzüberschreitende Arbeitsgruppe vom Kehler Umweltbeauftragten Siegfried Schneider informieren. Bis zum Jahr 2020 sollen 14 Prozent des Wärmebedarfs über erneuerbare Energien gedeckt werden, um die Vorräte an fossilen Brennstoffen zu schonen. Aus diesem Grund, so berichtete Schneider seinen französischen Kollegen, werde jeder Hausbauer über das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz verpflichtet, einen festgelegten Anteil seines Wärmeenergiebedarfs aus Sonnenenergie, Biomasse, Erdwärme oder anderen erneuerbaren Energiequellen zu beziehen.
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