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Das letzte Wort hat der Richter
Bei Adoptionen steht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt / Rückläufige Zahlen in den letzten Jahren
Die Zahl der Adoptionen, die in Kehl ausgesprochen wurden, hat in den letzten Jahren abgenommen. Von den Adoptionswilligen wird einiges erwartet, denn das Wohl des Kindes steht bei einer Adoption immer im Vordergrund.
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04.09.2007 - Kehl. In Baden-Württemberg werden immer weniger Kinder adoptiert. Das meldet das Statistische Landesamt Baden-Württemberg. Die Stadt Kehl ist da keine Ausnahme. Konnten im Jahr 1990 im Amtsgerichtsbezirk Kehl noch 14 Adoptionen vermerkt werden, so waren es 1997 nur noch vier Und im vergangenen Jahr waren es gerade mal noch zwei Adoptionen.
Zwar werden Adoptionen mit Auslandsberührungen seit dem Jahr 2002 im Amtsgericht Karlsruhe behandelt und sind so in der Kehler Auflistung im Jahr 2006 nicht mehr mit einbezogen. Doch diese machen nur etwa zehn bis 20 Prozent aller Adoptionen aus, so Richter Blüml, der am Amtsgericht Kehl für die Adoptionen zuständig ist.
»Am häufigsten treten Stiefkindadoptionen auf«, so Blüml. »In vielen Fällen dient diese Adoption der Gleichstellung zwischen Stiefkind und dem leiblichen Kind«, erklärt er.
Die so genannte Inkognitoadoption wird im Kehler Amtsgericht nur sehr selten geschlossen. Inkognito bedeutet, dass die Adoption anonym verläuft und die abgebenden Eltern nicht wissen, wer ihr Kind später aufnehmen wird.
Andere Erkenntnisse
Die Sachbearbeiterinnen Brigitte Wolf-Richter und Monika Thessen sind im Landratsamt Offenburg für Adoptionsvermittlungen in der ganzen Ortenau zuständig. Ihnen ist der Rückgang der Adoptionswilligen nicht aufgefallen. Sie sagen, dass die Auslandsadoptionen sogar steigen, wenn es weniger Inlandsvermittlungen gibt. Die Zahlen der Interessierten und derer, die dann wirklich adoptieren, weichen jedoch von einander ab.
»Nur ein Viertel der Bewerber, die an unseren Informationsabenden teilnehmen, entscheiden sich für ein Adoptivkind«, erzählt Wolf-Richter
»Eine Adoption ist eine aufwendige Angelegenheit«, betont die Sachbearbeiterin.
Wolf-Richter und Thessen entscheiden, ob Bewerber in der Lage sind, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu meistern. Sie prüfen sowohl die formellen Voraussetzungen, wie zum Beispiel, ob das Kind genügend Platz hat, als auch die persönliche Eignung der Adoptionswilligen. »Wir können nur vermitteln, wenn wir die Bewerber auch richtig kennen gelernt haben. Wir erwarten hohe Belastbarkeit, Geduld, eine stabile Partnerschaft und Flexibilität«, erzählt Wolf-Richter. »Es geht um das Wohl des Kindes. Die Adoptiveltern müssen bereit sein, dem Kind später seine Wurzeln zu zeigen«, meint Thessen. Dabei ist die Offenheit gegenüber der Vorgeschichte des Kindes und seinem Heimatland wichtig. »Das Land des Kindes wird mitadoptiert«, betont die Sachbearbeiterin Wolf-Richter.
Bei offenen und teiloffenen Adoptionen können sich beide Elternteile persönlich kennen lernen. Soweit alle Beteiligten damit einverstanden sind. »So kann man dem Kind später Antworten auf seine Fragen geben«, erklärt Thessen.
Aber auch bei den Stiefkindadoptionen wird auf vieles geachtet. »Das Kind bekommt einen neuen Vater oder eine neue Mutter. Hier wird genauso wie bei den Fremdadoptionen geprüft, ob das Wohl des Kindes gesichert ist«, so Wolf-Richter.
Auch ein Gutachten
Das letzte Wort hat dann der Richter. Im Falle einer Adoption in Kehl ohne Auslandsberührungen ist es Richter Blüml, der darüber entscheidet. Bei einer Adoption eines Volljährigen hört er sich die Beteiligten an und verschafft sich so einen Eindruck. Bei der Adoption eines Minderjährigen spielt neben der Anhörung auch das Gutachten, das von der Sachbearbeiterinnen der Adoptionsvermittlung erstellt wird, eine wichtige Rolle.
Warum die Zahlen der Adoptionen in den letzten Jahren in Kehl zurückgegangen sind, kann Richter Blüml sich nicht erklären.
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