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Wenn Haustiere auf den Straßen der Stadt sterben
Weil die TBO »abräumen« muss, ist oft keine Zeit zum Abschied nehmen / Eine Familie erzählt
Es ist Alltag und doch immer ein kleines Drama: Haustiere, die auf Offenburger Straßen überfahren und vom Straßendienst weggeräumt werden. Und in den Familien warten die Kinder vergebens. So ist es Hauskatze »Socke« ergangen. Die Familie erzählt. Das OT liefert die Fakten zu diesem traurigen Kapitel.
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16.02.2010 - Offenburg. Man kannte den zutraulichen Stubentiger mit dem hübsch gezeichneten Fell, wenn er durch Nachbars Gärten pirschte, streichelte ihn im Vorübergehen und half ihm oft über den Gartenzaun zurück. Wenn es Abend wurde, rief die Familie ihr Kätzchen ins Haus »Socke« war ihr erklärter Liebling und der wusste ganz genau, dass dort ein feines Schlafplätzchen mitsamt Futternäpfchen und vielen Streicheleinheiten warteten. All das liebevolle Behüten des erst zweijährigen Tierchens hat nichts genutzt, am 19. Januar wurde »Socke« überfahren.
»Die Nachbarin kam mit der traurigen Botschaft«, schildert die Familie, die in der Oststadt wohnt. »Ist das nicht Ihre »Socke«, die dort am Bordstein liegt?«. Sie war es. Man habe kaum gesehen, dass die Katze tödlich verletzt war, sie muss vor ein Fahrzeug gerannt und sofort verendet sein, vermuten die Besitzer.
»Runter vom Gas!«
Schuld wollen sie dem vermutlichen Fahrer eines Autos nicht zuweisen, denn »Socke« hat ihr Unglück wahrscheinlich selbst herausgefordert. »Die war halt ein bisschen frech und noch so verspielt«, sagen die Kinder unter Tränen. Schlimm sei allerdings, so die Familie, die nicht genannt werden möchte, »dass die Autos in unserem Wohnbereich an der Fessenbacher Straße so rasen. Da war noch nie eine Geschwindigkeitskontrolle zu sehen«, ist sie sich sicher, »obwohl hier Tempo 50 vorgegeben ist«. Und »Runter vom Gas« gelte schließlich auch für Tiere.
Was mit der
toten Katze geschehen wäre, hätte sich die Nachbarin nicht gemeldet und die Familie das tote Tierchen nicht hätten holen können, möchte der Papa seinen acht- und zehnjährigen Jungen gar nicht erzählen
Katzen, Hunde oder andere Kleintiere werden von der Straßenreinigung »entsorgt«. Das geschieht unter dem Gesichtspunkt der Hygienevorschriften, teilt das Landratsamt Ortenaukreis mit.
Sofort nach Meldung kommt der Wagen der Stadtreinigung der Technischen Betriebe Offenburg (TBO). Sogar die meist hartgesottenen Männer vom Straßendienst tun sich nicht leicht, ein verendetes Tierchen in den Lkw-Container zu laden. Da gebe es schon mal herzzerreißende Szenen, berichtet Horst Remlinger, Chef der Straßenreinigung. »Unsere Leute versuchen manchmal sogar, dem Tierbesitzer Gelegenheit zu geben, seinen Liebling noch einmal zu sehen«, wie unlängst, als ein Hund an den Bahngleisen aufgefunden wurde.
Tierkadaver lägen allerdings fast wöchentlich an den Straßen und diesen Service könne die Straßenreinigung in der Regel nicht leisten. Die toten Tiere werden zu einer Art Zwischenstation gebracht, wo sie gekühlt aufbewahrt werden, bis sie von der Tierkörperbeseitigung zusammen mit den Schlachtabfällen des Schlachthofes abgeholt werden.
Tierkörperbeseitigung
Für den gesamten Ortenaukreis ist die Tierkörperbeseitigungsanstalt Protec in Orsingen am Bodensee zuständig. Sie gehört zu den baden-württembergischen Zweckverbänden für Tierkörperbeseitigung. Dort wird aus den Kadavern Fett und Futtermittel hergestellt.
Das ist »Socke« erspart geblieben: Die Familie durfte ihre Mieze einige Tage bei der Tierärztin im Kühlraum belassen, bis feststand, wo sie ihr letztes Ruheplätzchen finden konnte. Es liegt im Garten.
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