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Kein Bad für Warmduscher
Weniger Neujahrsschwimmer bei eisiger Kälte in Linx / Dennoch 4780 Euro für Leser helfen

Minustemperaturen und ein halb zugefrorener See hielten die ganz Unverfrorenen beim Neujahrsschwimmen in
Rheinau-Linx nicht vom Sprung ins kalte Wasser ab. Mit fast 5000 Euro war die Veranstaltung auch für die Leser-helfen-Aktion ein Erfolg.

autor: stephan bruder

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© Christoph Breithaupt

Gemessen an der frostigen Luft erscheint das Wasser mit einem Grad plus geradezu warm. Erst wenn man aus dem Wasser kommt, spürt man die Kälte richtig, sagen die Neujahrsschwimmer unisono. Ihnen hat das eisige »Vergnügen« für den guten Zweck richtig Spaß


13.01.2009 - Rheinau-Linx Wie viel Überwindung braucht es, um sich bei diesem Wetter freiwillig ins mit Eisklumpen gespickte Wasser des Erlenparksees zu stürzen? Diese Frage haben sich am Sonntag in der World of Living viele Schaulustige und auch mancher potenzielle Schwimmer gestellt, der seine Badesachen dann doch lieber in der Tasche ließ.
»Man muss schon sehr überzeugt sein von dem, was man tut, und braucht einen starken Willen«, verriet Bernard Roth aus Straßburg, mit 71 Jahren einer der ältesten Teilnehmer. Wie überzeugt der mittlerweile dreimalige Teilnehmer davon war, bewies der Senior, indem er sich unter dem Applaus der vor Kälte bibbernden Zuschauer gleich ein zweites Mal in die Fluten stürzte, bevor er sich schlotternd in seinen hellblauen Mademantel hüllte und zufrieden im wärmenden Firmengebäude von Weberhaus das Weite suchte.
»Einen Rekord kann ich für heute garantieren, und zwar einen Kälterekord«, hatte Hardy Rose, Center Manager der World of Living, vor dem neunten Neujahrsschwimmen bei Weberhaus gesagt.
Damit sollte er recht behalten, denn bei minus vier Grad Luft- und einem Grad Wassertemperatur hielt sich das Feld der Wagemutigen mit 146 Schwimmern in Grenzen. Vor einem Jahr hatten sich 343 Hartgesottene ins Wasser gestürzt und damit einen absoluten Rekord aufgestellt.
Nichtsdestotrotz hatte es die Veranstaltung auch zum Jahresauftakt 2009 in sich: Sie war nicht nur länderübergreifend mit vielen Teilnehmern aus dem Elsass, sondern mit einer Altersspanne von acht bis 77 Jahren auch generationenübergreifend. Mit Alexandre Perradin nahm ferner zum ersten Mal ein Blinder teil

»Einmal habe ich bei sechs Grad Wassertemperatur in Italien gebadet, und zwar nur meine Füße«, sagte der 25-jährige Marathonläufer aus dem Elsass.
Den Startschuss für das Spektakel hatte zuvor Hans-Dieter Rahner gegeben, der mit seinem »Markenzeichen«, einem umgebauten Bierkasten aus seiner bayerischen Heimat auf dem Kopf, vier Neujahrsraketen in den Himmel geschossen hatte.
Die Veranstaltung geht auf ihn zurück, denn vor 22 Jahren hatte der Rheinauer mit einigen Freunden das erste Neujahrsschwimmen in der Ortenau ins Leben gerufen. Er selbst blieb am trockenen Ufer. Am Neujahrsschwimmen beteilige er sich nur einmal im Jahr, und für 2009 habe er bereits seiner Heimatstadt die Ehre erwiesen, sagte Rahner grinsend.
Damit der Sprung ins kalte Nass überhaupt möglich war, hatte Weberhaus den Luftsprudler am Grund des Sees zwei Tage zuvor eingeschaltet, um das Wasser am Gefrieren zu hindern. Trotzdem musste die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft Bühlertal eine dicke Eisschicht am Ufer beseitigen. Während des Spektakels sorgte ein in einen Neoprenanzug gekleideter Rettungstaucher für Sicherheit im Wasser.
»Mit dem Schwimmen warte ich noch 24 Stunden, dann bin ich nämlich im Urlaub in Ägypten«, juxte Hitradio Ohr-Moderator Manfred Schäfer bei der Liveübertragung aus Linx.
Fanclub geizt nicht
Zum fünften Mal spendete Weberhaus den Erlös der Leser- helfen-Aktion der Mittelbadischen Presse. Für jeden Schwimmer gab es zehn Euro, weitere 2200 Euro kamen an Eintrittsgeldern zusammen. Die Firma rundete den Betrag auf 4500 Euro auf, dazu kam eine Spende von 220 Euro, die der KSC-Fanclub Ortenau von denjenigen Mitgliedern eingesammelt hatte, die an diesem Tag nicht mitkamen. 60 weitere Euro kamen als Spende der Gruppe aus dem Elsass hinzu.
Thomas Reizel, Vorsitzender des Vereins Leser helfen, nahm so dankend die stolze Summe von 4780 Euro zugunsten psychisch kranker Menschen mit. Damit hat Weberhaus seit 2005 insgesamt 25 950 Euro gespendet.


Spendenzähler ist nochmals geklettert


Ortenau (tom). Nach dem erfolgreichen Neujahrsschwimmen in der World of Living in Rheinau-Linx und einer Spende von Hermenfried Kriester aus Willstätt ist der Spendenzähler bei 53 253 Euro angelangt. Das Geld kommt den Tagesstätten für psychisch kranke Menschen im Ortenaukreis zugute. Es gibt sie in Achern, Hausach, Kehl, Lahr und Offenburg.
Ziel der Spendenaktion ist es, vier geräumige Autos mit umklappbaren oder herausnehmbaren Sitzen zu finanzieren, mit denen unter anderem Hol- und Bringdienste organisiert werden können, die sich aber gleichermaßen dazu eignen, mal größer einzukaufen oder größere Gegenstände wie Flohmarktartikel oder Festzeltgarnituren zu transportieren. Um sich die finanzielle Situation etwas aufzubessern, sind die Tagesstätten auf derartige Veranstaltungen angewiesen. Bisher erwiesen sich die Transporte als ausgesprochen schwierig zu organisieren, denn die Autos der Mitarbeiter sind dafür ungeeignet.

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