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ortenau
»Psychisch Kranke akzeptieren«
Annedore Braun vom Diakonischen Werk: Autos sind wichtig für unsere tägliche Arbeit

Die Leser-helfen-Aktion der Mittelbadischen Presse hat schon jetzt
eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ausgelöst. Es werden unter anderem ehrenamtliche Fahrdienste angeboten. Darüber freuen sich die fünf Tagesstätten für psychisch Kranke zwar, doch so einfach ist es leider nicht, erklärt Annedore Braun, stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werks in Offenburg.

autor: thomas reizel

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© Ulrich Marx

Annedore Braun (links), stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Ortenau, erklärt, weshalb die fünf Tagesstätten für psychisch kranke Menschen so dringend auf eigene Fahrzeuge angewiesen sind.


06.12.2008 - Es hört sich doch ideal an: Menschen bieten den Tagesstätten ehrenamtliche Fahrdienste an
Annedore Braun: Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist großartig, weil sie sich angesprochen fühlen und gerne etwas beitragen wollen, was über Geld hinaus geht. Gerade das ist für psychisch kranke Menschen besonders wichtig: akzeptiert zu werden, Zuwendung und Wertschätzung zu erfahren und zwar nicht nur hier bei uns, sondern überall in ihrer Nachbarschaft, in der Familie, im Betrieb. Aber ehrenamtliche Fahrdienste sind oft nicht ganz einfach zu organisieren.
Erklären Sie das bitte.
Annedore Braun: Wir sammeln gerade Erfahrungen damit. Ein Herr hat uns sein Auto angeboten. Darauf haben wir gerne zurückgegriffen, wir haben uns sehr über dieses Engagement gefreut. Doch dann stellte sich heraus, dass es Probleme wegen der Versicherung geben könnte. Also planten wir ein zweites Auto einzusetzen, um die Personen zu transportieren. Dafür stellte die Leiterin der Tagesstätte Frau Johann wieder iher Privatfahrzeug zur Verfügung. Schließlich sind doch alle in dem angebotenen Fahrzeug mitgefahren und der Einsatz verlief erfolgreich.
Was war das Problem?
Annedore Braun: Der Aufwand im Vorfeld war mit ziemlich viel Hin und Her verbunden. Sie verstehen sicher, dass es uns auch beim besten Willen nicht möglich ist, vor jeder Fahrt solche Fragen auszudiskutieren

Außerdem haben freiwillige Helfer natürlich den Wunsch, dass wir uns mit unserer Terminplanung nach ihnen richten und Fahrten rechtzeitig ankündigen. Sie haben auch immer das Recht, wieder abzusagen, wenn ihnen was dazwischenkommt.
Es gab einen Fall, da hätte Ihnen ein Offenburger seinen zwölf Jahre alten Kombi geschenkt.
Braun: Auch darüber haben wir selbstverständlich nachgedacht. Aber wir müssen mit sehr wenig Geld auskommen und können praktisch keine Risiken finanzieren.  Ein älteres Fahrzeug ist so ein Risiko in Bezug auf Reparaturen, Benzinverbrauch, Steuer und Versicherung. Ich möchte dieses Angebot beileibe nicht madig machen. Wir müssen aber anhand unserer knappen Ressourcen sehr genau entscheiden, ob wir es uns leisten können, davon einen nicht unerheblichen Teil für mögliche hohe Reparatur- und Unterhaltskosten zurückzustellen.
Einer unserer Leser ist der Ansicht, dass es im Verbund von Diakonie und Caritas genügend Fahrzeuge gibt.
Annedore Braun: Das stimmt so nicht. Die Autos gehören in der Regel den Sozialstationen, die haben einen verhältnismäßig großen Fuhrpark, weil sie alle Patienten zu Hause besuchen. Da braucht fast jede Mitarbeiterin einen eigenen Wagen, der ist dann den ganzen Tag unterwegs. Wir hatten mal ein Auto ausgeliehen, das gerade nicht gebraucht wurde, doch der Einsatz für die Patienten hat dort immer Vorrang.
Und wie steht es um die Kosten für eigene Autos?
Annedore Braun: Es gibt natürlich Fixkosten, aber dafür erfordern eigene Autos den geringsten Arbeitsaufwand im Vorfeld einer Fahrt, die jederzeit angetreten werden kann. Tanken, waschen, aufräumen und Pflege kann von Zivildienstleistenden übernommen werden und tangiert nicht die Arbeitszeit einer vergleichsweise teuren Fachkraft. Auch könnten ehrenamtlich Mitarbeitende als Fahrer herangezogen werden, ein Personenbeförderungsschein ist nicht erforderlich.
Gesparte Arbeitszeit ist also aus Ihrer Sicht auch ein Argument fürs eigene Auto?
Annedore Braun: Absolut! Es ist wichtig zu sehen, dass jede der fünf Tagesstätten für psychisch kranke Menschen eine professionelle Einrichtung ist, die wie andere Betriebe auch sehr auf effiziente Organisation achten müssen, so wie beispielsweise bei der Tourenplanung eines Pflegedienstes.
Und doch könnten Ehrenamtliche helfen?
Annedore Braun: Ja, denn für viele psychisch kranke Menschen wäre es toll, wenn es jemanden gäbe, der sie privat mal wohin fährt, sofern sie sich überhaupt heraustrauen. Für die Tagesstätte – egal ob vom Diakonischen Werk oder von der Caritas getragen – spielen eben noch andere Faktoren eine Rolle als die grundsätzliche Bereitschaft zu ehrenamtlicher Hilfe. Nur sind diese leider nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen.

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