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© Iris Rothe
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Martin Geiger
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14.09.2007 - Ortenau. »MS als Chance« – für sein Weblog hat Martin Geiger einen provozierenden Titel gewählt. »Es gab kritische Stimmen – mancher empfand diese Aussage als Hohn«, räumt er ein.
Doch der Acherner Experte für Effizienztraining hat seine Gründe, multiple-Sklerose
(MS)-kranke Menschen so anzusprechen Vor zwei Jahren traf ihn selbst die Nachricht, an der schweren Erkrankung des zentralen Nervensystems zu leiden. Für den heute 38-Jährigen bedeutet dies: »Die Diagnose steht – es liegt nun an mir, daran zu verzweifeln oder mich zu fragen, wie ich das Beste daraus machen kann.«
Auf diese Frage will sein Internet-Auftritt für MS-Patienten eine Antwort geben. Seit Juni hat die Seite mehr als 3700 Zugriffe verzeichnet. »Im Netz gibt es zig Foren zu MS, die sich aber vor allem um medizinische Belange oder persönliche Fragen drehen«, stellt Geiger fest. »Ich dagegen will weg vom Leidensaspekt und die Menschen lieber zu Alternativen in ihrer Lebensplanung anregen.« Im Weblog finden sich etwa ein persönliches Tagebuch sowie Empfehlungen und Impulse zu einer positiven Einstellung im täglichen Umgang mit der Krankheit.
»Ich lasse die Menschen an meiner eigenen Entwicklung teilhaben, daher trägt das
Weblog auch den Untertitel ›Ein Weg aus der Krise‹«, erklärt Martin Geiger. »Mein eigener Umgang mit der Krankheit soll keineswegs als Königsweg dastehen, sondern nur als Anregung und Ansporn, für das eigene Leben neue Ideen zu entwickeln – wenn mir das gelingt, ist viel erreicht.« Diese Anregungen gibt Geiger anderen Betroffenen auch in Impuls-Vorträgen weiter
Eine Perspektive eröffnet er nicht zuletzt durch seinen Beruf selbst: Der Unternehmenstrainer, der jahrelang ausschließlich Betriebe zu einer effektiveren Arbeitsweise anleitete, hat inzwischen auch eine Ausbildung zum »Telefon-Life-Coach« in sein Angebot aufgenommen. Die Lizenznehmer lernen dabei, anderen Menschen in vielen beruflichen und persönlichen Fragen zur Seite zu stehen. Ein Angebot, das sich gerade auch an andere MS-Erkrankte richtet. »Viele Patienten, die nicht mehr mobil sind, kann der Beruf eines Telefon-Coaches davor retten, ins berufliche Abseits zu geraten«, weiß Geiger. »Und nachdem ich selbst diesen Weg gefunden habe, Schicksal und Beruf zu verbinden, möchte ich die Idee gerne weitergeben und manchem Betroffenen wieder ein Leuchten in die Augen bringen. Ich sage mir: Das ist die gute Seite dieser Krankheit.«
»Lupenfunktion«
Dabei war auch für ihn die Diagnose »MS« keineswegs leicht zu verkraften: »Im ersten Moment war es ein Schock und hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen«, erinnert sich Geiger. Dennoch ist er heute überzeugt: »Die Diagnose verändert den Menschen nicht grundsätzlich, sondern hat eine Art ›Lupenfunktion‹. Wenn ich generell eine positive oder aber eine negative Lebenseinstellung besitze, tritt diese im Fall einer chronischen Erkrankung häufig noch stärker hervor.«
Das bedeutet: Wer optimistisch sei, versuche auch mit der schweren Erkrankung vor Augen eher, das Beste aus seinem Leben zu machen, als der Pessimist, der in diesem Fall oft zur Resignation neige und sich völlig hängen lasse. Und Martin Geiger stellt an sich fest: »Ich habe durch die Krankheit gelernt, auch für kleine Dinge dankbar zu sein – etwa einen Tag mit den Kindern – mehr im Hier und Jetzt zu leben und sich bietende Gelegenheiten nicht mehr verstreichen zu lassen. Alles in dem Bewusstsein: Eine Garantie, dass das morgen noch geht, habe ich nicht.«
? Der Weblog findet sich unter im Internet.
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