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Der TGV – Chance für die Ortenau
Serie über den französischen Hochgeschwindigkeitszug / Teil 1: Die Erwartungen der Wirtschaft
Am 10. Juni wird der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV-Est in Betrieb gehen. In einer Serie wird die Mittelbadische Presse Informationen zu dem Superschnellzug geben und der Frage nachgehen, ob auch die Ortenau von dem »Train à grande vitesse« profitieren kann. Wie unser heutiger erster Beitrag zeigt, bieten sich nach Meinung vieler Vertreter der Wirtschaft in der Region jedenfalls gute Möglichkeiten.
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autor: reinhard reck
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24.05.2007 - Ortenau. In 2:20 Stunden von Straßburg nach Paris, in 3:40 Stunden von Stuttgart an die Seine: Über 20 Jahre hat man im Elsass für den TGV-Est gekämpft, und jetzt ist er endlich da! Kein Wunder dass Vertreter der Wirtschaft in Straßburg die Ankunft des schnittigen Schnellzugs feiern »In anderen Regionen, wo TGV-Linien gebaut wurde, gab es einen wirtschaftlichen Boom«, so Jean-Lous Hoerlé, Präsident der Straßburger Industrie- und Handelskammer (CCI). Auch Straßburg werde von der hervorragenden Bahnanbindung an die französische Hauptstadt profitieren – zumal, wenn 2011 auch der in Richtung Südwesten fahrende TGV-Rhin-Rhône die Elsass-Metropole kreuzen wird.
Auch in Ortenauer hoffen viele auf einen Impuls durch den TGV. Manfred Hammes, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO) sieht ihn als Chance, mahnt aber auch: »Wer sich hinsetzt und abwartet, was der TGV ihm bringt, wird schnell merken, dass er von alleine nichts bringt. Also müssen wir aktiv werden.« Immerhin rechne man mit jährlich zwölf Millionen Fahrgästen.
Einen Impuls könne der zunächst nur bis Stuttgart, ab Dezember aber auch bis München fahrende Zug nach Ansicht des WRO-Geschäftsführer besonders dem Tourismus geben. Tagesausflüge und Wochenendangebote seien im Bereich des Möglichen, wenn sie gut vermarktet werden. Ein Pariser könne via Straßburg etwa um 9.47 in Ottenhöfen sein und sich dann bis zur Rückfahrt 16.48 Uhr einen schönen Tag auf dem Mühlenwanderweg machen. Aber immer noch gebe es Websites touristischer Gemeinden, die nicht in französischer Sprache verfügbar seien
»Wir werden mit Sicherheit von dem TGV profitieren«, erklärt Armin Stolzer, geschäftsführender Gesellschafter der Kasto Maschinenbau & Co. KG in Achern. Man sei international tätig und habe in Frankreich einen der Hauptabsatzmärkte: »Unsere Mitarbeiter sind dort viel unterwegs«. Zwar halte der Hochgeschwindigkeitszug nicht in der Ortenau, aber in Karlsruhe habe man eine relativ nahe gelegene Zusteigemöglichkeit. Mit dem TGV, so Stolzer, komme man ins Herz von Paris und sei dann viel ausgeruhter als nach einem Flug.
Ähnlich sieht es Rudolf Zillgith, Geschäftsführer der Kronen GmbH & Co. KG in Kehl-Goldscheuer, die Maschinen für die gewerbliche Nahrungsmittelindustrie produziert. Acht Prozent der Kunden, beispielsweise Bonduelle, befinden sich in Frankreich. Kein Wunder, dass viele Mitarbeiter der Firma ins Nachbarland reisen und gleichzeitig Franzosen in den Kehler Ortsteil kommen, um die Maschinen zu testen. »Wir begrüßen es sehr, dass der TGV kommt«, so Zillgith. Der Zug sei ein großer Vorteil.
Werbung in der Metro
Als »Riesenchance« sieht Roland Mack, geschäftsführender Gesellschafter beim Europa-Park Rust, den TGV. Und er will alles tun, um diese zu nutzen. So hat eine beauftragte Agentur bereits ein Werbekonzept erstellt: Man wirbt in der Pariser Metro und an Bahnhöfen – schließlich sei der Großraum Paris mit seinen gut 20 Millionen Einwohnern ein äußerst attraktiver Markt, so Mack.
Allerdings müsse man jetzt alles daran setzen, um die Verbindungen in die Ortenau weiter zu verbessern, fügt der Chef des Europa-Parks hinzu. Zwar werde die Bahn-Verbindung zwischen Offenburg und Straßburg erheblich gestärkt. Auch gebe es schon Busse, die von der Europastadt nach Rust fahren. Eine Intensivierung der Verbindungen sei trotzdem wünschenswert. Wenn sich dank des TGV ein größerer Zuwachs beim Europa-Park entwickle, werde man überlegen, noch ein weiteres Hotel zu errichten.
Paris rückt näher heran
Etwas abwartend äußert sich Richard Bruder, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Offenburg. »Durch die neue TGV-Verbindung werden die Metropolregion Oberrhein und die Metropole Paris noch näher zusammen rücken«, so Bruder. Das werde sicherlich neue wirtschaftliche Vorteile und Veränderungen – insbesondere im Rahmen der Globalisierung – mit sich bringen. In welchem Maße sich das auf die Region Ortenau auswirken werde, werde sich erst mit der Zeit herauskristallisieren, so der Vorstandschef.
Die nächste Folge am Samstag: Warum ist der TGV so schnell? Ein Blick in das Innenleben des Zugs und auf die Gleise.
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