28.07.2010 - Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner hat sich auf die Suche nach klimaneutralen Kommunen (siehe Stichwort) in Deutschlands Südwesten gemacht. Die Zukunft werde immer mehr auf diese klimaneutralen Kommunen setzen, das Land möchte eine Vorreiterrolle dabei spielen, begründet Gönner ihre Initiative
Diese besteht aus einem Wettbewerb, an dem sich Gemeinden unterschiedlicher Größe aus dem Land beteiligen und zeigen können, was sie bereits heute in Hinsicht auf eine klimaneutrale Gestaltung des öffentlichen und privaten Lebens bei sich leisten.
Die Mittelbadische Presse hat sich dafür interessiert, wie es in der Ortenau aussieht. Die Auswahl der Gemeinden war subjektiv, die Ergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst:
Lahr: Die Zeichen der Zeit sind hier erkannt. Bereits 2006 hat sich die Stadt »als erste südbadische Gemeinde«, wie der Umweltbeauftragte der Stadt, Manfred Kaiser, berichtet, an dem ebenfalls vom Umweltministerium geförderten European Energy Award (EEA) beteiligt. Vor zwei Tagen wurde Lahr zertifiziert. Was nicht heißt, dass jetzt die Bemühungen eingestellt werden. »90 Maßnahmen hat der Gemeinderat bereits beschlossen, bis 2011 sollen alle gestartet sein«, sagt Kaiser. Dabei arbeitet man mehr oder weniger einen Katalog ab, der im EEA-Programm vorgeschrieben ist. Das meiste davon sind Maßnahmen, die städtische Belange und Aufgabenfelder betreffen. Die geplante »Auslobung eines Preises für beispielhafte Energieprojekte in Lahr« ist eine der wenigen Maßnahmen, die darüber hinaus auch die Bevölkerung direkt zum Handeln auffordern
Haslach: »Bislang war und ist das Thema ›klimaneutrale Gemeinden‹ in Haslach kein ausformuliertes Thema der Kommune«, sagt offen und ehrlich Martin Schwendemann, Amtsleiter für Kultur und Marketing. Man ordne die mit diesem Wort bezeichneten Maßnahmen dem Oberthema »Umweltschutz« zu. Gebäudesanierung zählt Schwendemann ebenso dazu wie die Energieversorgung durch Hackschnitzelanlagen oder das Bauen von Gebäuden aus heimischen Hölzern, wodurch künstliche Materialien überflüssig und Transportwege gespart würden. Durch Sonnenenergie könnten 61 Haushalte mit klimaneutralem Strom von der Gemeinde versorgt werden, was 62 Tonnen CO2 im Jahr einspare. Die Anstrengungen der Bürger auf dem Gebiet Sonnenenergie würden 288 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Schwendemanns Fazit daher: »Haslach unternimmt eigentlich recht viel in Sachen ›Klimaneutralität‹, aber wir nennen es bislang nicht so.«
Offenburg: »Wir haben nicht vor, uns bei der neuen Initiative von Ministerin Gönner zu beteiligen«, sagt Torsten Nufer, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt Offenburg. Man nehme aber an einem Klimaschutzprogramm des Bundes teil. Die Mobilität mit dem vor kurzem eingerichteten System der Leihfahrräder sei ein Bereich, wo die Gemeinde in das Leben der Bürger hineinreichen möchte. Bei Bauveraufträgen könne man seitens der Stadt Selbstverpflichtungen in Verträge reinschreiben und dadurch zur klimafreundlichem Handeln auffordern. Über das E-Werk Mittelbaden besitzt die Stadt Anteile an einer Windanlage im Meer, Sonnendächer seien nicht nur auf der Messe auf 6 000 Quadratmetern angebracht, sondern auf 1 000 Quadratmetern auch auf den Dächern der Schule in Elgersweier. Bei der Beratung der Bürger, so sagt Nufer selbst, könne man jedoch noch etwas mehr als bisher tun.
Kehl: Den CO2-Ausstoß alle fünf Jahre um zehn Prozent herabzusetzen, darauf hatte sich Kehl schon 1997 verpflichtet, als die Gemeinde dem Klimabündnis der europäischen Städte beigetreten war. 2006 brachten die umweltpolitischen Maßnahmen der Grenzstadt ihr den Titel »Klimaschutzkommune« der Deutschen Umwelthilfe ein. Nutzung von Biogas, Holzpellet-Anlagen, Errichtung von solarthermischen Anlagen und oberflächennaher Geothermie wird bereits praktiziert. Es gibt ein städtisches Förderprogramm zur CO2- und Energieeinsparung, ein kommunales Energiemanagement für die städtischen Liegenschaften. Die Bürger werden bei den Umwelttagen über Möglichkeiten des Energiesparens informiert, Kinder und Jugendliche durch Schulprojekte. Allerdings weist Siegfried Schneider vom Bereich Umwelt darauf hin, dass die Bemühungen der Stadtverwaltung alleine nicht ausreichen können, um die Kommune klimaneutral zu gestalten. Auch die Industrie und die Bürger seien gefragt.
Oberkirch: Kurz ist die Antwort aus der Renchtalmetropole: »Ein spezielles Programm zur CO2-Reduzierung haben wir noch nicht«, sagt Ulrich Reich, Pressesprecher der Stadt. Aber natürlich wird bei neuen Baummaßnahmen auf Energieeffizienz geachtet. Die kommunale Energieagentur liefert darüber hinaus jährlich einen Bericht über die Energieleistungen der Stadt.
Achern: Die Stadt im Norden der Ortenau war erst im April Gegenstand einer Mitteilung von Tanja Gönners Umweltministerium. »EnergiePakt Achern: Acht Unternehmen verbessern gemeinsam ihre Energieeffizienz« lautet der Titel. Kein Wunder, dass Helga Sauer von der Stadtverwaltung auf dieses Projekt zu sprechen kommt, wenn es um die Bemühungen zur CO2-Senkung geht. Zusätzlich hat die Stadt bereits 2008 mit der Klimaschutz- und Energieagentur Karlsruhe ein Energieeinspar-Projekt entwickelt, durch das pro Jahr 584 Tonnen CO2 eingespart werden sollen. Solaranlagen auf Dächern städtischer Gebäude und Austausch von Straßenbeleuchtung gibt es auch in Achern. Einmal im Monat bietet die Stadtverwaltung Energieberatung für die Bürger an. Die Veranstaltung weise »eine hohe Beteiligungsquote auf«, wie Sauer mitteilt. Ihr Fazit: Achern bemühe sich »um das Thema ›Energieeinsparung‹ in Richtung einer Klimaneutralität, auch wenn der angstrebte Zielwert dadurch sicherlich noch nicht erreicht werden kann«.
Willstätt: 1 300 Tonnen CO2-Einsparung erhofft sich die Gemeinde durch eine neue Wasserkraftanlage, die 2011 in Betrieb genommen werden soll. 1 100 Haushalte der 9 200 Einwohner zählenden Kommune könnten dadurch mit CO2-freiem Strom versorgt werden, berichtet Bürgermeister Marco Steffens. Allerdings werde schon heute und seit Jahren Öko-Strom über ein Wasserkraftwerk gewonnen. Die Kampagne »Solar Lokal« wirbt seit 2007 für mehr Energiegewinnung über Sonnendächer – angeblich mit großem Erfolg. Für den Kernort wird zurzeit ein Heizkraftwerk geplant, das durch regenerative Energie betrieben werden soll. Städtische wie private Gebäude sollen von dieser Energiegewinnung profitieren. »Willstätt hat den Weg zu einer klimaneutralen Kommune eingeschlagen«, wagt deshalb Steffens heute schon zu sagen.
Neuried: Die Gemeinde ist nicht nur ähnlich groß wie Willstätt, sondern auch ähnlich weit fortgeschritten Richtung einer energieselbstversorgenden und damit klimaneutralen Gemeinde: Erdwärme, Pelletbeheizung, energiesparende Beleuchtung, Spitzenplatz in der Kreiswertung der Solarbundesliga. Sodass Bürgermeister Gerhard Borchert sagen kann: »Mit den bereits realisierten Projekten zur regenerativen Energiegewinnung können innerhalb der Gemeinde Neuried derzeit ca. 3 850 und somit beinahe alle Haushalte in Neuried mit Strom versorgt werden.«
|