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Zivildienstschule macht dicht
Heinz-Drossel-Bildungszentrum schließt zum Ende des Jahres / »Entscheidung nicht leichtgefallen«

Seit 26 Jahren besuchen Zivildienstleistende das Heinz-Drossel-Bildungszentrum in Seelbach für ihre Einführungslehrgänge. Ende dieses Monats wird die Einrichtung geschlossen.

autor: maria benz

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© Endrik Baublies

Zivildienstleistende werden künftig keine Lehrgänge mehr im Seelbacher Heinz-Drossel-Bildungszentrum haben. Wie das Haus der Arbeiterwohlfahrt künftig genutzt werden soll, ist bislang noch nicht geklärt.


08.12.2008 - Ortenau. »Nun knipse ich das Licht wieder aus, das ich vor 26 Jahren angemacht habe«, sagt Heiner Batscheider mit trauriger Stimme. Ende des Monats wird das Heinz-Drossel-Bildungszentrum in Seelbach geschlossen Am Freitag hat Heiner Batscheider das letzte Mal als Leiter der Zivildienstschule vor jungen Männern gesprochen. Es klingt Wehmut mit, als er erzählt: »Der Kontakt mit den jungen Menschen hat mich geprägt und jung gehalten. Ich werde das sehr, sehr vermissen.«
Die Entscheidung, die Seelbacher Einrichtung zu schließen, ist schon vor über einem Jahr gefallen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat aufgrund eines Berichtes des Bundesrechnungshofes über Überkapazitäten bei den Zivildienstschulen die Schließung von bundesweit drei Einrichtungen verlangt. Schulen in Waldbröl (Nordrhein-Westfalen) und Buchholz (Niedersachsen)  werden ebenfalls Ende  des Jahres dichtmachen.
Die Entscheidung gegen Seelbach löste heftige Proteste aus. Unter anderem hatte der Grünen-Bundestagsabgeordneten Alexander Bonde kritisiert, dass weniger ausgelastete Einrichtungen erhalten blieben, während die erfolgreiche Institution in Seelbach schließen müsse. Die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer warf dem Bundesfamilienministerium vor, künstlich eine Überkapazität erzeugt zu haben, in dem es Zivildienstleistenden Kurse vorenthalten habe

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Der Bundesbeauftragte für den Zivildienst, Jens Kreuter, nennt jedoch einen anderen Grund für die Überkapazität an Schulplätzen: »Schon seit einigen Jahren hat es in den Zivi-Schulen weniger Dozenten gegeben, als es sein müssten, um die Schulen auszulasten.« In den Schulen hat es also mehr Plätze  und Betten  gegeben, als tatsächlich Zivildienstleistende unterrichtet werden konnten. Dies habe den Bund pro Jahr einen  siebenstelligen Betrag gekostet.
Die Bettenzahl an die Zahl der Dozenten anzugleichen sei  aus Sicht des Bundestags-Haushaltsausschusses eine notwendige Konsequenz gewesen, um nicht unnötig Steuergelder zu verschwenden. Kreuter betont: »Wir behalten alle Dozenten im Dienst und es werden nicht weniger Lehrgänge angeboten.« Mehr Dozenten einzustellen, um das Ungleichgewicht zu beheben, sei hingegen  für die Haushälter keine Alternative gewesen, denn »die Zahl der Zivildienstleistenden in Deutschland ist  zwischen 2000  und 2006  um etwa die Hälfte zurückgegangen.«
Weshalb es ausgerechnet Seelbach getroffen hat, erklärt der Bundesbeauftragte so: »Wir hatten vom Haushaltsausschuss die Vorgabe, nach wirtschaftlichen Gründen zu entscheiden.« Ein entscheidender Faktor seien dabei die Personalkosten. Insbesondere solche, die entstehen, wenn Abfindungen gezahlt werden müssen.
Wenn diese Aspekte berücksichtigt werden, kommt die Schließung der Zivildienstschule in Seelbach den Bund günstiger als die Schließung anderer Schulen. Darüber hinaus betont Kreuter: »Baden-Württemberg hat ja mit Karlsruhe und Bodelshausen (bei Tübingen) noch immer zwei Zivildienstschulen, das  ist anderen Bundesländern gegenüber weit überproportional.«
Dennoch sei die Entscheidung nicht leichtgefallen: Kreuter sagt: »Mich persönlich bekümmern die Schließungen sehr, weil ich weiß, dass es für die Mitarbeiter schwer ist.« Den Mitarbeitern in Seelbach wurde angeboten, in anderen Zivildienstschulen weiter zu arbeiten. »Leider ist das jedoch nicht immer realisierbar«, erklärt Kreuter. Das Bundesamt habe jedoch versucht, das Beste aus der Situation zu machen und finanzielle sowie soziale Belange unter einen Hut zu bekommen.
15 Kündigungen
Dies betrifft aber nur die Angestellten des Bundesamtes für Zivildienst. Außer ihnen haben noch 16 Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt als Dienstleister in Seelbach gearbeitet. 15 von ihnen wurde gekündigt, wie Margarethe Leichle, Sprecherin des AWO-Bezirksverbandes Baden, erläuterte. Lediglich der Hausmeister wird weiterbeschäftigt, um das Gebäude in Stand zu halten. Für die übrigen Mitarbeiter wurde ein Sozialplan vereinbart. Darüber, wie das Haus in Zukunft genutzt werden soll, konnte Leichle noch keine Angaben machen.


Die Zivildienstschule in Seelbach

Die Zivildienstschule in Seelbach wurde am 8. Januar 1982 eröffnet. Heiner Batschneider leitete die Schule von Beginn an.
In den vergangenen Jahren haben rund 33 000 Zivildienstleistende die Schule besucht. Batschneider betont: »Wir waren nie eine Pflegeeinrichtung, sondern immer eine Einrichtung der politischen Bildung«. Dabei ging es um Umweltschutzthemen, aber auch um die Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers. Mit der Ausrichtung auf soziale Kompetenzen sei die Schule in Seelbach von Beginn an sehr fortschrittlich gewesen.
2006 wurde die Schule in »Heinz-Drossel-Bildungszentrum« umbenannt. Drossel hatte im Zweiten Weltkrieg unter Einsatz seines Lebens mehrere jüdische Mitbürger vor dem Tod bewahrt.

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