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Hoffnung für Heroinabhängige
Offenburger Schwerpunktpraxis kann wirtschaftlich arbeiten, benötigt aber wohl weiterhin Zuschüsse

Die Schwerpunktpraxis in Offenurg, die sich seit 2003 mit der Vergabe von Methadon um Heroinabhängige kümmert, konnte 2008 das erstmals wirtschaftlich arbeiten. Wegen der geplanten Honorarreform für Ärzte ist die Praxis wohl weiter auf öffentliche Mittel angewiesen

autor: taras maygutiak

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© Taras Maygutiak

365 Tage im Jahr gibt der Mediziner Dirk Menzel (Foto) in der Schwerpunktpraxis in Offenburg Methadon an Heroinabhängige aus. Die oftmals auch psychisch kranken Abhängigen benötigen aber vor allem auch Gespräche, meint Menzel.


19.11.2008 - Offenburg. Etwa 800 Heroinabhängige gibt’s im gesamten Ortenaukreis, zwischen 350 und 400 sind sogenannte Substituierte und bekommen als Drogenersatz Medikamente wie Methadon verabreicht Die Hälfte der Substituierten sind Patienten in der Schwerpunktpraxis des Facharztes für Psychatrie, Dirk Menzel (44), in der Vogesenstraße in Offenburg. Die anderen Patienten verteilen sich auf neun Facharztpraxen und einige Hausärzte, die maximal drei Abhängige in ihre Obhut nehmen.
Vor einem Jahr stieg Menzel in die Praxis ein. Anfang Januar 2008 übernahm er die Leitung. Bei der Übergabe kündigte Menzel damals an, dass er die Patientenzahlen der Schwerpunktpraxis erhöhen wolle. Zwischen 2003 und 2007 wurden in der Praxis rund 100 Abhängige pro Jahr behandelt. Für Menzel lag die Herausforderung darin, die 120er-Marke zu überschreiten, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Die Schwerpunktpraxis war 2003 gegründet worden und wurde bisher jährlich mit 6000 Euro vom Kreis und der gleichen Summe von der Stadt Offenburg unterstützt.
Menzel gelang es, die Zahlen zu erhöhen. Heute liegt der Schnitt bei 160 Patienten, die von der Schwerpunktpraxis betreut werden. Die höheren Zahlen habe er durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit der Jugend- und Drogenberatung (Drobs) Kehl/Offenburg, erweiterte Öffnungszeiten sowie durch eine Kooperation mit Apotheken in Oberkirch, Lahr und Kehl erreichen können, so Menzel. Abhängige, die von ihm betreut werden, bekommen ihr Methadon so in den Apotheken vor Ort. Zudem wurden weitere Arzthelferinnen eingestellt und die Praxisräume umgebaut, um das Angebot zu optimieren


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Zunächst sah es ganz so aus, als könnte Menzel künftig auf die Zuschüsse vom Kreis und der Stadt Offenburg verzichten. Die bundesweite Honorarreform für niedergelassene Ärzte, die am 1. Januar in Kraft treten soll, könnte ihm aber einen dicken Strich durch die Rechnung machen: »Das ist unser großes Problem«, sagt Menzel. Die Reformpläne sehen vor, dass 24 Prozent weniger Honorare bezahlt werden sollen: »Das war der Schrecken für mich«, gesteht Menzel. Er nennt die Reform »existenzbedrohend«. Der Mediziner hofft auf den 26. November. Da Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung gescheitert seien, werde an diesem Tag ein Schiedsgericht zusammenkommen.
Personalmangel
Durch die Reform könnte die Wirtschaftlichkeitsgrenze auf 150 Patienten ansteigen, rechnet Menzel vor. Dabei arbeite die Praxis bereits jetzt mit 365 Tagen im Jahr am absoluten Limit: »Ich bin jeden Tag in der Praxis«, so Menzel. Einen Tag im Monat vertrete ihn eine Kollegin. In der Schwerpunktpraxis müsste im Grunde schon jetzt eine weitere Halbtagsstelle für einen Arzt geschaffen werden, meint Menzel.
Der Ortenaukreis will die Schwerpunktpraxis nicht allein lassen. Gestern Nachmittag beschloss der Sozialausschuss, dem Kreistag zu empfehlen, vorsorglich Mittel in Höhe von jeweils 18 000 Euro in den Doppelhaushalt 2009/2010 einzustellen.


Bessere Versorgung gefordert

Im nördlichen Ortenaukreis sei die Versorgung von Heroinabhängigen mit Methadon noch sehr schlecht und im hinteren Kinzigtal gebe es gar keine Versorgung, erklärt Dirk Menzel, Leiter der Schwerpunktpraxis in der Vogesenstraße in Offenburg. Auch in Lahr sei die sogenannte Substitution »nicht ausreichend gesichert.« Die Ortenau braucht weitere substituiernde Ärzte, fordert Menzel.
Auch wenn die Schwerpunktpraxis weiterhin mit öffentlichen Geldern unterstützt wird: Menzel ist sich sicher, dass es durch die geplante Honararreform noch schwieriger wird, niedergelassene Ärzte für diese Arbeit zu gewinnen.

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