19.03.2008 - Lahr/Offenburg. Die Ortenau war über Jahre so etwas wie das El Dorado der Gewinnspiel-Szene. Die ODD in Schutterwald, die MCD in Offenburg und die Oberle AG – alle drei mit Dutzenden von Tochterfirmen – haben offensichtlich bundesweit Millionen von Verbraucher über den Tisch gezogen und satte Gewinne gescheffelt Die juristische Aufarbeitung wird vermutlich noch Jahre in Anspruch nehmen.
Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Roland Stumpp auf Anfrage der Mittelbadischen Presse bestätigt, sind die Ermittlungen gegen Vater und Sohn Oberle nach rund vier Jahren abgeschlossen. Die Aktenberge liegen jetzt bei der Großen Strafkammer des Landgerichts Offenburg.
Angeklagt sind die beiden Versandunternehmer unter dem Verdacht des »gemeinschaftlich verübten Betrugs in 14 Fällen«. Es geht um 14 Tatkomplexe des immer gleichen Strickmusters im Zeitraum zwischen Ende November 2001 und Mitte 2002.
Wie der Chef der Offenburger Staatsanwaltschaft erläutert, erhielten in diesem Zeitraum eine sechsstellige Zahl von Empfängern in Deutschland sogenannte Mailings mit einer Gewinnbenachrichtigung und dem Hinweis, sich sofort telefonisch zu melden. Avisiert wurden unterschiedlich hohe Gewinne bis zu knapp 10 000 Euro.
Kein Gewinn ausbezahlt
Wer in der Hoffnung auf den Geldsegen die 0190er-Mehrwertnummer wählte, wurde in der Warteschleife von einem Sprachcomputer »ausgehungert«. Die Kosten pro Minute von rund zwei Euro summierten sich durchschnittlich auf etwa acht Euro pro Gespräch
Stumpp: »Tatsächlich wurde in keinem einzigen Fall ein Gewinn ausbezahlt.«
Trotz des vergleichsweise niedrigen Schadens im Einzelfall hat die Ermittlungsgruppe der Landespolizeidirektion Freiburg errechnet, dass allein in dem angeklagten Zeitraum von rund sieben Monaten 3,5 Millionen Euro Erlös erzielt wurden.
Bis sich Rolf und Dirk Oberle freilich vor Gericht verantworten müssen, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Darauf deutet auch ein Parallelfall hin. Bereits Ende 2006 hat die Staatsanwaltschaft ebenfalls Betrugsanklage gegen die Firmengruppe »MCD-Telekommunikationsdienstleistungen GmbH« inklusive Tochterfirmen vorgelegt. Auch bei MCD – hinter der das Trio Rolf Wittmeier, Michael Harter und Klaus Ziebold steht – sollen mit der 0190er-Masche Millionen abkassiert worden sein. Angeklagt ist ein Gesamtschaden von rund 24 Millionen Euro innerhalb von zwölf Monaten.
Die Anklage umfasst 25 000 Seiten Aktenmaterial. Bis heute ist beim Landgericht noch keine Entscheidung gefallen, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Schon aus Kapazitätsgründen wird das Landgericht die beiden Mammutprozesse vermutlich nicht gleichzeitig abwickeln können.
Auch Mannheim ermittelt
Außerdem umfasst die juristische Aufarbeitung der Gewinnspielkomplexe gewöhnlich zwei unterschiedliche Verfahren: zum einen den Vorwurf des Betrugs oder des unlauteren Wettbewerbs, und auf der anderen Seite den Aspekt der Steuerhinterziehung.
Rolf und Dirk Oberle beispielsweise machten im Dezember 2007 Schlagzeilen, weil sie kurzzeitig wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe in Untersuchungshaft saßen. Dieses Steuerverfahren wird übrigens nicht von der Offenburger Staatsanwaltschaft, sondern von der Mannheimer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte betrieben, die auch für die Verfahren gegen die Schutterwälder ODD verantwortlich war und ist. Denn auch dieser Fall ist längst noch nicht abgeschlossen.
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