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Knisternd und kerzengerade
Artenvielfalt im Landkreis, Folge 4: Die Nachtkerze / Blüten öffnen sich erst in der Nacht
Eine weitgehend unbekannte, aber umso interessantere Pflanze: Die Nachtkerze bildet ständig neue Arten aus, weltweit gibt es an die 200 verschiedene Nachtkerzen-Varianten. Auch in der Ortenau ist sie mittlerweile heimisch geworden.
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© Andreas Braun
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An Eisenbahnlinien und Hochwasserdämmen: Die mehrere Zentimeter großen blassgelben Blüten der Nachtkerze öffnen sich nur nachts.
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31.07.2010 - Ortenau. Nachtkerzen wachsen vorwiegend an kargen und eher unbeachteten Stellen, beispielsweise auf trockenen und sandigen Böden. Man muss daher mitunter schon genau hinschauen, um diese wundersamen Pflanzen bewusst wahrzunehmen Gleichwohl kann man sie häufig finden, wenn man nur an den richtigen Orten sucht – etwa auf Schuttplätzen, entlang von Eisenbahnlinien oder auf besonnten Abschnitten von Hochwasserdämmen. Gerade an den letztgenannten Stellen hat sie in der Ortenau mittlerweile ein neues Zuhause gefunden.
Ihrem Namen machen die bis zu anderthalb Meter großen Gewächse übrigens alle Ehre: Kerzengerade erstrecken sie sich in die Höhe, wobei ihre Blüten tagsüber geschlossen und nur nachts geöffnet sind: Sie werden nämlich von Nachtfaltern bestäubt, die sie mit einem süßlichen, parfum-
artigen Duft anlocken. Mit etwas Glück kann man diesen einmaligen Vorgang der Blütenöffnung an warmen Sommerabenden übrigens selbst beobachten: Zunächst sind die Blütenknospen noch von miteinander verwachsenen Blättern des Blütenkelches verhüllt. Bei einsetzender Dunkelheit platzt diese Verpackung jedoch mit einem hörbaren Knistern auf, woraufhin sich die vier darunter liegenden, hellgelben Blütenblätter entfalten. Meist währt die Blühdauer nur eine Nacht: Bereits am nächsten Mittag sind die Nachtkerzen-Blüten in aller Regel verwelkt.
Hilfe bei Ausschlägen
Weltweit gibt es rund 200 Arten dieser Gattung. Ihre Heimat ist Amerika, wo sie von den Indianern als Gemüse und Heilkraut genutzt wurde. Schon im 17. Jahrhundert wurden die ersten Exemplare nach Europa gebracht, wo man sie als Zierpflanze in Parks und Gärten kultivierte. Von dort aus verwilderten sie; mittlerweile gibt es sie in ganz Europa
Inzwischen hat sich die Nachtkerze auch bei uns als Heilpflanze einen Namen gemacht: Das aus ihren Samenkörnern gewonnene Nachtkerzenöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren, denen eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird. Es kommt daher bei der Behandlung von Hautausschlägen – etwa bei Neurodermitis – zur Anwendung.
Im Gegensatz zu manch anderen eingeschleppten Arten bereiten Nachtkerzen keine ökologischen Probleme, da sie unsere einheimischen Arten nicht aus ihren Lebensräumen verdrängen. Vielmehr weisen sie eine andere, aus wissenschaftlicher Sicht äußerst bemerkenswerte Besonderheit auf:
Amerikanische Eltern
In der Regel pflanzen sich fremdländische Gewächse nämlich von Generation zu Generation fort, ohne sich dabei groß zu verändern. Bei Nachtkerzen ist dies jedoch anders: Besondere genetische Eigenschaften ermöglichen es ihr, diese Konstanz zu verändern und innerhalb vergleichsweise kurzer Zeiträume neue Arten zu bilden. Die europäischen Nachtkerzen sind daher schon lange nicht mehr mit ihren amerikanischen Eltern identisch und lassen sich auch nicht mehr mit ihnen kreuzen.
Dieser interessante Artbildungsprozess ist auch im Landkreis in vollem Gang und hat schon vor Jahrzehnten das Interesse von Wissenschaftlern geweckt: Bereits in den 1950er-Jahren wurden in der Ortenau eigene Nachtkerzen-Formen entdeckt, die der inzwischen verstorbene Botaniker Adolf Kappus damals mit Namen wie »Altenheim« oder »Kehl« belegt hat – je nachdem, wo die Pflanzen bevorzugt auftraten. Von der letztgenannten Form wuchsen im Jahre 1952 rund 30 000 Stück auf Trümmerschutt im Kehler Hafen. Auch wenn diese alten Wuchsorte schon längst überbaut sind, findet man auch heute noch zahlreiche Nachtkerzen im Kehler Hafengebiet, etwa entlang von Gleisanlagen oder auf Industriebrachen.
Nächste Folge: Die Europäische Süßwasser-Garnele.
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